Von Kai Vogtländer:
Auch in diesem Jahr bin ich bei der Vattenfall Cyclassics am 16.August in Hamburg auf der 155 km-Strecke mitgefahren. Diesmal habe ich das Cyclassics-Wochenende anders als in den Jahren zuvor begangen. Ich bin schon einen Tag früher nach Norddeutschland gefahren, so dass ich entspannt in Hamburg angekommen bin. Das traditionelle Treffen mit Freunden in Tornesch fiel dieses Jahr aus. Deshalb bin ich heuer deutlich vor Mitternacht ins Bett gekommen und kam am Renntag problemlos früh aus dem Bett.
In diesem Jahr durfte ich im Startblock H starten. So weit vorne bin ich noch nie gestartet. Nach dem Start hatte ich im Hafengebiet eine Gruppe gefunden, in der ich bis Harburg gut mitfahren konnte. Diese Gruppe bestand in erster Linie aus fünf Fahrern eines Teams, die jedoch sehr unterschiedlich gut trainiert waren. Das führte bereits schon bei Kilometer 20 zu deutlich sichtbaren, gruppenpsychologisch sicherlich interessanten Spannungen innerhalb des Teams. Für mich war dies das Zeichen in den „Hauptstrom“ zu wechseln und mit zu schwimmen. Das Mitschwimmen klappte gut. Ich hatte den Eindruck, dass ich sehr gut vorankomme. Die kleinen Anstiege habe ich immer etwas besser bewältigen können als viele der Nordlichter um mich herum.
Wie in jedem Jahr war die Stimmung am Streckenrand sehr gut. Den tollsten Eindruck hat der Ort Nenndorf hinterlassen: auf einem Abschnitt von 100 m hat sich scheinbar der gesamte Ort versammelt und die Radfahrer in einem Meer von Beifall, Musik und Gebrüll gebadet.
Wie gesagt, hatte ich auf der Südschleife das Gefühl sehr gut über die Strecke zu kommen. Die Köhlbrandbrücke bin ich auch noch nie so flüssig hochgefahren. Objektiv bewegte ich mich auf den ersten 100 km aber in Zeitbereich des Vorjahres.
Auch auf der 55 km langen Westschleife lief subjektiv alles Bestens: auf der langweiligen, autobahnähnlichen LSE nach Appen rollte ich einer große Gruppe, Richtung Holm gehörte ich zu einer gut funktionierenden, sechsköpfigen Gruppe. Weder der Galgenberg in Wedel noch mein Hausberg aus Hamburger Zeiten, die Kösterbergstraße, stellten diesmal ein Problem für mich dar. Jedoch dann auf der Elbchaussee, kurz hinter Teufelsbrück, zirka acht Kilometer vor dem Ziel, war meine Herrlichkeit schlagartig zu Ende. Meine Kraft war verbraucht und ich quälte mich die nächsten fünf Kilometer über die Strecke. Die letzten zwei Kilometer konnte die Aussicht auf das nahende Ziel noch mal Kräfte mobilisieren, so dass ich mit einigermaßen wachem Geist die Zielpassage erleben konnte.
Die offizielle Zeit von 4:35:41 Stunden war etwas ernüchternd: ich war langsamer als im Vorjahr. Da in diesem Jahr die Strecke 3,8 km länger als im letzten Jahr war, lässt sich die Zeit nicht vergleichen. Jedoch lassen sich die Durchschnittsgeschwindigkeiten vergleichen: sie ist von 34,44 km/h auf 34,32 km/h gesunken.
Wie lässt sich das mit meinem Gefühl verbinden, dass ich auf der Strecke eigentlich gut vorangekommen bin? Im letzten Jahr wurde ich auf der 155 km-Strecke 1992. von 2772 Männern, in diesem Jahr 1667. von 2506. Ich habe also gut 5% mehr Fahrer hinter mir gelassen als im Vorjahr. Bisher hatte ich nie viel auf die Platzierungen gegeben und mich immer an der Zeit orientiert. Diesmal entpuppte sich die Platzierung jedoch als Trostpflaster.
Letztlich bin ich wie nach jeder Teilnahme froh, gesund und ohne Malheur über die Strecke gekommen zu sein.