Helmut Hannert berichtet von seiner Tour zur Nordsee:
Obwohl schon fast ein Jahr vergangen ist, möchte ich einmal berichten, was ein unruhiger Rentner auf einem Rennrad noch leisten kann. Dennoch erhebe ich keinen Anspruch auf Höchstleistung, vielmehr soll dieser Bericht als Anregung dienen, weil Vereinsmitglieder so eine Fahrt auch in einer Gruppe absolvieren könnten.
Also bereitete ich vor. Sehr zum Leidwesen meiner Frau Ute, die es nicht einsehen wollte, dass man so etwas alleine machen müsste.
Eine Sattelrohrtasche, Plattlosreifen und SPD Pedalen. Das waren die Änderungen am Rennrad. Und natürlich die passenden Schuhe, auf denen man auch gehen kann. Auch das Studieren von Straßenkarten gehörte zur Vorbereitung. Das Ziel: Den Fluss Ems erreichen und weiter zur Nordsee.
Die ersten Kilometer mit Hügeln Richtung Witten ins Ruhrgebiet (B 235) spürte ich schon die 6 Kg Gepäck. Es war zwar nur das Nötigste, aber immerhin.
Auferlegt hatte ich mir, dass alles in Ruhe zu fahren. So nahm ich mir auch die Zeit, das Schiffshebewerk Henrichenburg zu besichtigen. Leider passierte in Olfen (nördl. Ruhrgeb.) dann das Missgeschick, beim Absteigen auf die Rippen zu fallen, wovon später noch zu berichten ist. Bei schönstem Radfahrwetter ging es weiter durch die Baumberge bei Havixbeck, Steinfurt und Emsdetten, wo ich mir ein Hotel suchte.Die 150 Km waren bei Kaffee und Kuchen in der wunderschönen Altstadt schnell vergessen. Emsdetten hatte Volksfest. Schützen-und Spielmannszüge, ich zählte 21, bestimmten den Abend und die Nacht.
Nach einem guten Frühstück ging es weiter über Rheine, Salzbergen und in Lingen sah ich dann die Ems mit ihrem Radweg. „Dat kannse vergessen“, sagte ich mir und suchte mir die Bundesstraße mit einem Radweg Richtung Meppen. Der Emsradweg ist zwar landschaftlich sehr reizvoll, aber für ein Rennrad nicht geeignet.
In Meppen machte ich den nächsten Versuch, auf dem Emsradweg weiter nach Haaren zu kommen. Fehlanzeige und überhaupt hatte ich den Eindruck, dass das Land Niedersachsen die Beschilderungen für Radfahrer verbessern könnte. Von Haaren nach Papenburg wieder mit suchen und fragen. Das nervt. In Aschendorf die Erlösung. Endlich wieder ein Radweg mit Asphalt. Papenburg ist nach 145 Km erreicht. Grosses Blütenfest in der Stadt. Menschen, vor allem aus den nahen Niederlanden, machen ein fahren unmöglich. Schieben und ein Hotel suchen. Das lag in der Nähe der alten Meyerwerft. Heute ein Freizeitzentrum mit vielen Möglichkeiten.
Was isst man so nah an der Küste? Natürlich Fisch und einige Bierchen, die nötige Bettschwere kommt von alleine.
Frühstücksbuffet und Wetterkarte. Das sah nicht gut aus. Dennoch weiter nach Leer. Vorbei an der 500 m langen Halle der Meyerwerft und dann im Hafenbecken die „Celebryte Solstyze“, ein Kreuzfahrtschiff von über 300 m Länge. Welch ein Anblick. Aber auch der Blick zum Himmel. Was kommt da? Weiter nach Leer. Wie schön muss es hier bei Sonnenschein sein. Der Entschluss steht. Zurück Richtung Süden. Es regnet Hunde und Katzen. Auch das Schmerzgel versagt. Entlang der niederländischen Grenze, Moor und Maisfelder und ganz vereinzelt ein Dorf. Hier darf nichts passieren. Dann doch mal Sonne. In Wietmarschen wieder eine Fehlleitung. Ich komme nach Lingen, wo ich nicht hin wollte, aber eine tolle Altstadt. Aber mich beschäftigt, wie komme ich nach Nordhorn? Und wieder Regen. Entlang der B213 dann Nordhorn. Das erst beste Hotel, triefnass, und an der Rezeption, die Frage, ob man mir ein Glas Wasser anbieten dürfte. Überhaupt nicht lustig, oder? Das Negative vergisst man schnell, dass ist auch gut so. Klamotten waschen, trocknen, fönen. Ein gutes Doppelzimmer und ein reichhaltiges Abendessen, mit den dazu gehörenden Bierchen, ließ ich noch einmal die gefahrenen 190 km an mir vorüber ziehen.
Noch in der Nacht beschloss ich, den Heimweg anzutreten. Das Wetter, die Rippen und die Moral waren im Eimer. Und den Weg nach Bad Bentheim zu finden, war gar nicht so einfach. Dann aber ein großes gelbes Schild mit Radfahrpiktogramm Richtung Ochtrup. Ich habe Ochtrup nie gesehen. Stattdessen den Flecken Ohne und weiter Steinfurt. Da wollte ich auch nicht hin. Jetzt kein Regen mehr, dafür Wind. In der Mark wurde es hügelig. Die Orte Billerbeck, Dülmen und Haltern, sind vielen von den dort ausgetragenen RTF’s bekannt. Und Haltern Bahnhof eine S-Bahn nach Wuppertal, das habe ich für mich entschieden. Die 115 Km waren für heute genug. Gerade hatte ich im Zug Platz genommen, ein unwetterartiger Regen. Von Wuppertal-Vohwinkel die letzten Kilometer nach Cronenberg. Das war nur noch „Schaulaufen“. Die Freude bei Ute war groß, dass ich „endlich“ wieder zu Hause war.
Bilder? Leider keine, weil mir die Digitalkamera abgesoffen ist.
Positiv: Die Sattelrohrtasche, Hersteller Fa. Kauhlen, war absolut dicht und hat sich bestens bewährt.
Positiv: Die Plattlosreifen von Schwalbe. Die haben einen höheren Rollwiderstand, aber bei den teilweise schlechten Radwegen von Vorteil.
Man lernt aus Fehlern: Absteigen mit Gepäck nur noch mit Hüftschwung und mit dem rechten Bein über den Lenker nach links!
Fazit: Jeder Zeit wieder.